Mittwoch, 29. Juli 2009

Deutsche Schwimmer auf Erfolgsspur

Zwei Weltmeistertitel durch Paul Biedermann über die 400 m und 200 m Freistil, eine Silbermedaille der 4 x 100 m Freistil-Staffel der Damen – eine Bilanz, die sich am zweiten Tag der Weltmeisterschaften sehen lassen kann.
Zu stark ist noch die Erinnerung an das schlechte Abschneiden in Peking, Vorzeigeschwimmerin Britta Steffen ausgenommen, und bei den letzten Weltmeisterschaften von Melbourne, bei denen es nur wenige Höhepunkte gab, und man sich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass die meisten deutschen Athleten nicht in der Lage waren, ihren Leistungshöhepunkt bei dem Top-Ereignis abrufen zu können.Da ist das derzeitige Abschneiden der deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer mehr als nur Balsam auf die arg gebeutelte Schwimmer-Seele!

Und auch Helge Meeuw, der sich nach den für ihn mehr als nur verpatzten Olympischen Spielen bereits mit Rücktrittsgedanken auseinander gesetzt hatte, hat endlich seine erste WM-Einzelmedaille gewonnen: Über 100 m Rücken schwamm er in 52.54 Sek auf den Silberrang, 28 Hundertstel hinter dem siegreichen Japaner Junya Koga und lediglich 5 Hunderstel langsamer als sein eigener Deutscher Rekord, den er im Halbfinale aufgestellt hatte! – Die Freude über diesen Triumph war dem 24jährigen nach dem Rennen ins Gesicht geschrieben!
Über die 100 m Rücken suchte man im Finale dabei vergeblich den großen Favoriten und Dominator auf dieser Strecke: Der US-Amerikaner Aaron Peirsol hatte im Halbfinale zu hoch gepokert und wurde, nicht voll schwimmend, lediglich Neunter der beiden Halbfinalläufe. – Das war das Aus für den Weltmeister der Jahre 2003 bis 2007 und amtierenden Olympiasieger. Sicherlich nicht zum Nachteil von Helge Meeuw, der so einen harten Konkurrenten weniger im Finale gegen sich hatte.

Für Freude sorgte auch Hendrik Feldwehr der in neuem Europarekord von 26.74 Sekunden mit der zweitbesten Zeit sicher das Finale über 50 m Brust erreichte.

Für den zweiten großen Höhepunkt neben dem Triumph von Paul Biedermann über Michael Phelps sorgte heute zweifellos Lokalmatadorin Federica Pellegrina. Die Venezianerin, die sich bereits wie Biedermann über die 400 m Freistil in die Siegerlisten eintragen konnte, schwamm im Halbfinale über die 200 m Freistil einen grandiosen neuen Weltrekord in 1:53.67 Minuten und damit die Konkurrenz in Grund und Boden. Alles andere als der Weltmeistertitel wäre eine Überraschung und große Enttäuschung für den Liebling der Italiener. – Am Mittwoch wissen wir mehr.

Paul Biedermann düpiert Michael Phelps

Paul Biedermann hat bei den Schwimmweltmeisterschaften von Rom seinen zweiten Weltmeistertiel errungen: Über seine Paradestrecke, die 200 m Freistil, schlug er in der Weltrekordzeit von 1:42.00 Minuten den großen Favoriten und achtfachen Olympiasieger von Peking, Michael Phelps!
Ein unglaubliches Rennen lieferte der 22jährige Deutsche: Seine Schwächen im Vergleich zu Phelps beim Start und bei den Wenden glich er durch exzellentes Schwimmen aus. Und nicht nur das: Er diktierte von Anfang an das Geschehen. Ganz entgegen seiner gewöhnlichen Rennaufteilung ging der Hallenser bereits auf der ersten der vier Bahnen in die Offensive und übernahm die Führung – eine Führung, die er nicht mehr abgeben sollte: Paul Biedermann ist endgültig in der absoluten Weltspitze angekommen!
Bereits sein Sieg über die 400 m Freistil war ein Paukenschlag, aber dieser Triumph stellt alles in den Schatten: In 1:42.00 Minuten pulverisierte er regelrecht den alten Weltrekord von Phelps, den dieser in 1:42.95 Minuten gehalten hatte. – Eine Zeit, von der wohl auch Biedermann selbst in seinen kühnsten Träumen nicht zu träumen gewagt hatte. – Zugegebener Maßen aber auch eine Zeit, die sicherlich auch den Wunderanzügen gedankt ist. Jedoch sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass es letztendlich die Athleten sind, die diese Leistung vollbringen, und alle Athleten haben dieselben Voraussetzungen und können auf die Hightech-Kleidung zurückgreifen.

Für Phelps ist es die erste Niederlage seit 5 Jahren über die 200 m Freistil. Letztmals unterlag im Finale der Olympischen Spielen von Athen der australischen Schwimmlegende Ian Thorpe. Zugegebener Maßen war die Vorbereitung von Phelps auf diese Weltmeisterschaften alles anderer als ideal. Und es darf mehr als nur angenommen werden, dass er sich nicht in der Topform befindet, die ihn in Peking auszeichnete. Nicht nur seine Trainingspause nach den Spielen, sondern auch sein Marihuana-Sperre dürften dazu beigetragen haben. Dieses soll aber nun weder Phelps verteidigen, noch die Leistung von Biedermann schmälern: Der Deutsche hat ein exzellentes Rennen abgeliefert, und auch ein Michael Phelps in Topform hätte wahrscheinlich seine Schwierigkeiten gehabt, den Hallenser zu bezwingen.

Biedermann tritt mit seinem Erfolg nun aber die Nachfolge von Albatros Michael Groß an, der den letzten seiner 2 WM-Titel über die 200 m Freistil 1986 erringen konnte und damit der bislang letzte deutsche Titelträger über die Königsdistanz des Schwimmsports werden konnte!

Sonntag, 26. Juli 2009

Biedermann Weltmeister mit Weltrekord

Paul Biedermann hat aus deutscher Sicht für einen goldigen Einstand bei den Schwimmweltmeisterschaften von Rom gesorgt: Über seine Nebenstrecke 400m Freistil schwamm der Hallenser nicht nur zu Gold, sondern auch zu einem neuen Weltrekord! - Damit ist das erste deutsche Gold über die 400m seit 1991, als Jörg Hoffmann in Perth letztmals zum WM-Titel schwamm, perfekt!
Dieser Sieg kam nicht nur für Biedermann überraschend, sollte sein Meisterstück doch eigentlich über die 200m Freistil erbracht werden. Dass es bereits über die doppelt so lange Distanz mit dem Titel geklappt hat, lässt hoffen, dass er, nun befreit aufschwimmend, über seine eigentliche Paradestrecke nochmals zu Edelmetall schwimmen kann.
Michael Phelps, achtfacher Olympiasieger von Peking, wird in jedem Fall spätestens jetzt auf den Europarekordler aufmerksam geworden sein.

Im Sog von Paul Biedermann schwamm die 4x100 m Freistil-Staffel der Damen ebenfalls zu Edelmetall. In einem packenden Finale, bei dem Britta Steffen als Startschwimmerin in 52.22sec einen neuen Weltrekord aufstellte , wiesen die Holländerinnen mit Schlussschwimmerin Marleen Veldhuis das deutsche Quartett Britta Steffen, Daniela Samulski, Petra Dallmann und Daniela Schreiber in Weltrekordzeit denkbar knapp auf den Silberrang. Bronze ging an Australien.

Damit hat das deutsche Team bereits 50% der angestrebten 4 Medaillen erreicht. - Das ist mehr als nur ein erfolgreicher Auftakt! Zudem es durch Annika Mehlhorn über die 100m Schmetterling ebenso einen neuen deutschen Rekord gab wie durch Hendrik Feldwehr über die 100m Brust. Feldwehr schwamm gar die drittbeste Zeit der beiden Halbfinalläufe und steht damit sicher im Finale über die einstige deutsche Durststrecke.

Insgesamt gab es bereits am ersten Tag der Schwimmwettbewerbe die erwartete Rekordflut. Durch die neuen Superanzüge begünstigt, purzelten die Weltrekorde fast auf jeder Strecke. - Eine Entwicklung, die die FINA durch ein mögliches Verbot dieser Superanzüge ab 2010 stoppen möchte. Warten wir aber ab, wie sich diese Anzugfrage tatsächlich entwickeln wird, zu viel wurde in der letzten Zeit diskutiert und in Aussicht gestellt.